Honorarkürzungen zurücknehmen: Psychotherapie fördern statt Versorgung gefährden!
Am Samstag demonstrieren Psychotherapeut*innen auf dem Bremer Marktplatz gegen die geplanten Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie. Die Bremer Linksfraktion unterstützt den Protest.
Nelson Janßen, Vorsitzender und gesundheitspolitischer Sprecher der Bremer Fraktion Die Linke, kommentiert: „Die geplante Honorarkürzung für Psychotherapeut*innen um 4,5 Prozent ist ein fatales Signal. Sie trifft ein Versorgungssystem, das schon heute am Limit arbeitet und verschärft die Lage für psychisch erkrankter Menschen weiter.
Die Entscheidung ist rein wirtschaftlich motiviert und blendet die realen Versorgungsprobleme aus. Das Argument der Krankenkassen, psychotherapeutische Honorare seien zuletzt übermäßig gestiegen, greift zu kurz. Tatsächlich handelte es sich um eine überfällige Korrektur jahrelanger Unterbezahlung. Auch heute verdienen Psychotherapeut*innen im Durchschnitt weniger als viele andere Fachärzt*innen.
Psychische Erkrankungen nehmen zu, und der Bedarf an Therapie wächst kontinuierlich. Statt die Versorgung endlich bedarfsgerecht auszubauen, werden die Rahmenbedingungen weiter verschlechtert. Schon jetzt warten viele Menschen monatelang auf einen Therapieplatz. Die geplanten Kürzungen drohen diese Situation weiter zu verschlimmern – insbesondere für gesetzlich Versicherte. Denn private Patient*innen sind von den Kürzungen nicht betroffen, die Gefahr besteht, dass Praxen sich aus wirtschaftlichen Gründen eher für private Patient*innen oder Selbstzahler entscheiden.
Für viele Therapeut*innen bedeutet die Kürzung also mehr wirtschaftlicher Druck und weniger Spielraum, Patient*innen aufzunehmen. Das Ergebnis ist absehbar: weniger verfügbare Therapieangebote, längere Wartezeiten und eine Versorgungslücke, die auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen wird. Wer jetzt bei der Psychotherapie kürzt, spart nicht – sondern verlagert Kosten in die Zukunft, etwa durch mehr Klinikaufenthalte infolge unbehandelter Erkrankungen.“
Die Bremer Fraktion Die Linke fordert die sofortige Rücknahme der Kürzungen, den Ausbau von Therapieplätzen und eine verlässliche Finanzierung ambulanter Psychotherapie.
Nelson Janßen abschließend: „Die Bundesregierung ist gefordert, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung solidarisch zu reformieren – statt strukturelle Defizite durch Leistungskürzungen auszugleichen. Wir brauchen eine Gesundheitsversicherung, in die alle Menschen nach ihrem Einkommen einzahlen und kein Zwei-Klassen-System. Mentale Gesundheit ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wer hier kürzt, verschärft Leid und verschiebt die Probleme nur in die Zukunft.“

