Engpässe bei Kinderärzt*innen: Bedarfsplanung muss endlich Realität entsprechen!

Die kinder- und jugendärztliche Versorgung in Bremen und Bremerhaven gerät zunehmend unter Druck. Das zeigt ein Bericht, der heute der Gesundheitsdeputation vorliegt. Gründe sind steigenden Patient*innenzahlen, komplexere Krankheitsbilder, soziale Probleme der Familien, mehr Bürokratie und eine schwieriger werdende Suche nach einer Praxisnachfolge, weil mehr Ärzt*innen in Anstellung und Teilzeit arbeiten möchten. Besonders in sozial benachteiligten Stadtteilen kommt es immer häufiger zu Versorgungsengpässen, wie zuletzt nach der Schließung einer Kinderarztpraxis in Gröpelingen. 

Nelson Janßen, gesundheitspolitischer Sprecher der Linksfraktion, kommentiert: „Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen muss gesichert sein. Wir erleben in Bremen einen deutlichen Widerspruch: Einerseits spricht die Kassenärztlichen Vereinigung laut ihrer Bedarfspläne von einer Überversorgung, andererseits beobachten wir Engpässe in den Praxen, mit langen Wartezeiten, fehlenden Akutsprechstunden und Aufnahmestopps. Die Zahlen der KV spiegeln offensichtlich nicht die Realität in den Stadtteilen wider. Während sich etwa im Bremer Osten viele Praxen konzentrieren, ist die Versorgung in Stadtteilen wie Gröpelingen, Walle, der Überseestadt oder Blumenthal deutlich schlechter. Diese ungleiche Verteilung von Kinderärzt*innen trifft besonders Familien, die in Armut leben.“

Die Fraktion Die Linke, fordert schon lange eine Anpassung der Planungen und fordert die Kassenärztlichen Vereinigung ebenfalls auf, sich für eine Reform der ambulanten Bedarfsplanung einzusetzen. Die Planung muss den tatsächlichen Bedarf in Bremen besser abbilden und kleinteiliger werden, damit die Versorgungsituation in den einzelnen Stadtteilen stärker in den Fokus rückt. Gleichzeitig sollte sich die ambulante Versorgung stärker zu multiprofessionellen Teams weiterentwickeln. 

Nelson Janßen ergänzt: „Ein zentraler Baustein sind für uns Stadtteilgesundheitszentren. Dort arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen eng zusammen und teilen sich organisatorische sowie administrative Aufgaben. Auch Angebote des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Beratungen oder psychosoziale Hilfen können dort angebunden werden. So bekommen  Patient*innen einfacher und schneller die passende Unterstützung. Für den weiteren Aufbau solcher Strukturen haben wir Mittel im Haushalt 2026/27 vorgesehen.“